7 Videokassetten-Formate im Überblick: Kennen Sie die Unterschiede?

In den 50er-Jahren revolutionierte das Videoband die Fernsehindustrie. Sendungen konnten aufgezeichnet und bereits kurze Zeit später ausgestrahlt werden. In Privathaushalte zog die Videotechnik erst in den 70er-Jahren ein. Dadurch entstand für die Filmindustrie ein ganz neuer, lukrativer Markt. Zudem schossen im Laufe der Zeit immer mehr Videotheken aus dem Boden.

Für das bessere Handling gegenüber Schmalfilmen nahmen Verbraucher die geringere Qualität von Videokassetten in Kauf. Sie mussten lediglich eine Videokassette in die Kamera einlegen und der Filmspaß begann. Besaßen sie entsprechende Abspielgeräte,  konnten sie die Filmresultate sofort zu Hause bestaunen. Das lästige Entwickeln entfiel. Sowohl Privathaushalte als auch Amateurfilmer griffen vermehrt zur Videotechnik für Filmaufnahmen.

Aufgrund des attraktiven Marktes wollten viele Firmen mitmischen. In den 70er-Jahren bildeten sich deshalb zahlreiche Standards für Videoformate, Datenformate und auch Kassettengrößen heraus. Grundsätzlich kann man zwischen den früheren analogen Videokassetten wie zum Beispiel VHS und den späteren digitalen Videokassetten wie der MiniDV unterscheiden.

Über die Langfristigkeit der Speicherung und Haltbarkeit der Bänder machte man sich damals noch keine Gedanken. Leider sind insbesondere analoge Videokassetten für die Langzeitspeicherung ungeeignet. Die Magnetbänder sind vom chemischen und mechanischen Zerfall bedroht. Fachleute gehen von 20-35 Jahren Lagerfähigkeit aus. Hier biete sich die Digitalisierung von Videokassetten an. In den Räumen von medienrettung stehen fast 100 Stationen allein für die Bearbeitung und Digitalisierung verschiedener Videokassetten-Formate bereit. Mehr Informationen zum Angebot finden Sie auf unserer Webseite.

Aber welche Videokassetten-Formate gibt es nun im Einzelnen? Wir haben 7 gängige Formate für Sie zusammengestellt.

1. VCR – der Einzug der Videokassetten ins Home Entertainment begann

Viele denken bei der Abkürzung VCR an Videorekorder. Dabei steht VCR für Video Cassette Recording und wurde von Grundig und Philips 1971 für den Heimbedarf entwickelt. Aus europäischer Sicht war das VCR-System die erste kommerziell erfolgreiche Videotechnik. Vor allem Firmen, Institutionen, Schulen und Behörden setzen die VCR-Technik für Schulungszwecke ein. Für den Privatgebrauch war die Technik einfach zu teuer. Eine Kassette mit 60 Minuten Länge kostete zwischen 70-100,- DM und Geräte um die 2500,- DM. Zum Vergleich: Ein Mittelklassewagen kostete zu der Zeit etwa 3500,- DM.

Das VCR-Format geriet in Vergessenheit. Das lag  an den hohen Unterhaltskosten und am Bandverbrauch. VCR-Kassetten sind mit 514 bis 709 Meter Magnetband gefüllt und das hat seinen Preis.

Den Todesstoß bekam die VCR-Technik dank schwankender Fertigungsqualität und mit der Einführung des VCR-Longplay. Denn alte VCR-Aufnahmen ließen sich nicht auf den neuen Longplay-Recordern abspielen. Zudem drängten VHS und Betamax aufs Spielfeld. Untereinander kompatibel waren aber alle drei Systeme nicht. Das verunsicherte Verbraucher.

2. U-Matic – das Format für Außendrehs

U-Matic wurde ursprünglich von Sony für den japanischen Markt entwickelt und 1971 auf den Markt gebracht. Die Aufnahmekapazität lag standardmäßig bei 60 Minuten. Die kleine U-Matic-Kassette hatte eine Spielzeit von bis zu 20 Minuten. Sie wurde vorrangig mobil in kleinen und leichten (fünf bis sieben Kilogramm) Aufnahmegeräten für Außenaufnahmen eingesetzt.

In Deutschland entschieden sich die Fernsehanstalten 1978 für die Einführung des Einzoll-Videonorm (vorher Zweizoll). Dadurch kam das U-Matic-System vermehrt in TV-Studios insbesondere für Aufnahmen im Ausland oder Dokumentarsendungen zum Einsatz.

Für U-Matic wurde die Weiterentwicklung zum Problem. Im Laufe der Zeit gab es drei verschiedene U-Matic-Formate mit unterschiedlicher Qualität. Auf das normale U-Matic Lowband folgte die Verbesserung durch das sogenannte U-Matic Highband im Jahr 1977. Äußerlich kann man die beiden kaum voneinander unterscheiden. 1986 wurde dann das U-Matic Superior Performance Format eingeführt. Das große Problem bestand darin, dass nur wenige Abspielgeräte mit allen drei Formaten umgehen konnten. In den 90er Jahren wurde die Produktion der Abspielgeräte eingestellt.

3. VHS-Kassette – der Sieger im Formatkrieg

VHS-KassetteDas Unternehmen JVC brachte 1976 die VHS-Kassette auf den Markt. Im Gegensatz zu U-Matic und VCR war das VHS-Format von Beginn an für den Privatanwender bestimmt. Schon der Name Video Home System sagt alles. Ein großer Vorteil der VHS-Kassetten war die Aufnahmekapazität. Diese lag im normalen Modus zwischen 30 und 240 Minuten und ermöglichte die Aufnahme von Spielfilmen. In den 80er-Jahren herrschte das VHSFormat auch in Videotheken vor.

1987 wurde das Super-VHS (SVHS) mit besserer Bildqualität eingeführt. Auch das kleinere Videokassetten-Format VHS-C wurde speziell für Camcorder entwickelt sowie das S-VHS-C-Format als kleinerer Pendant zur S-VHS.

Bis 2005 gehörte VHS zu gängigsten Videoformaten in Deutschland. Seit 2000 verdrängte die DVD immer mehr die VHS-Kassetten. Übrigens verfügt medienrettung allein über 68 Stationen nur für die VHS-Digitalisierung.  Auch große Kassettenmengen digitalisieren wir schnell und in hoher Qualität.

4. Betamax – trotz besserer Qualität der Verlierer

Zeitgleich zum Markteintritt der VHS-Kassette kam das Konkurrenzprodukt „Betamax“ 1975 heraus. Sony führte es zunächst auf dem amerikanischen und japanischen Markt ein. Mit einer Spielzeit von bis zu vier Stunden war Betamax als reines Konsumenten-Format angelegt. Die Kassetten sind kleiner als VHS oder Video2000.

Trotz satteren Farben, schärferen Bildern und tollen Zusatzmöglichkeiten wie zum Beispiel Bildsuchlauf, Bandmarkierungen und Anfertigung von privaten Kopien setze sich dieses Format nicht wirklich durch. Ab 1990 verschwand es nahezu vom Markt. Im November 2015 läutete Sony das offizielle Ende von Betamax ein und stellte die Produktion komplett ein.

5. Video 2000 – der Nachfolger des VCR-Formates

Video 2000 KassetteVideo 2000 galt als europäische Antwort auf die japanischen und amerikanischen Erfolgsformate VHS und Betamax. Zugleich ist es der Nachfolger des VCR-Videoformates. Das Videosystem mit Wendekassetten, längeren Laufzeiten und günstigeren Kassetten konnte sich langfristig jedoch nicht gegen seine Konkurrenten durchsetzen. Die ersten Video2000-Geräte arbeiteten unzuverlässig und hatten bereits nach kurzer Zeit eine hohe Ausfallquote. Das Format war daher von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Letztlich war es gerade mal 7 Jahre auf dem Markt: 1979 eingeführt und 1986 eingestellt. Wenn Sie noch Video 2000 Kassetten im Schrank haben und über eine Digitalisierung nachdenken: medienrettung digitalisiert auch dieses Videoformat.

6. Video8 und Hi8 – gedacht für den mobilen Bereich

Das japanische Unternehmen Sony und das amerikanische Unternehmen Polaroid entwickelten 1985 das Format „Video 8“. Es sollte die 1/2-Zoll-Videokassetten wie VHS oder Betamax im portablen Bereich ersetzen. Zum Vergleich: Video8-Kassetten hatten ungefähr die Größe von Audiokassetten. Das 8 Millimeter breite Magnetband hatte anfangs eine Laufzeit von 60 Minuten. Auf Video 8 folgte das Format Hi8 mit einer deutlich besseren Aufnahmequalität.hi8 und video8Sie haben noch Video8 und Hi8 Kassetten und wollen diese digitalisieren lassen? medienrettung verfügt über 30 Stationen für das Hi8-Format.

7. MiniDV – Dokumentarfilmer schwören darauf

MiniDV gehörte zu den ersten digitalen Videoformaten für Privatanwender. Mitte der 1990er-Jahre erblickte die MiniDV-Technik das Licht der Welt. Vor allem Dokumentarfilmer und Low-Budget-Produzenten nutzen das System gerne. Die Bänder hatten eine Laufzeit von bis zu 80 Minuten und konnten – je nach Gerät – sogar in HDV aufnehmen.

Sie erinnern sich an den Film „Deutschland. Ein Sommermärchen.“? Dieser Dokumentarfilm wurde mit Mini-DV-Kameras gedreht. Auch bei dem Film „Idioten“ von Lars Trier kam das MiniDV-Format zum Einsatz. Als es Spike Lee nicht gelang 35 Millionen Dollar für den Film „It´s Showtime“ aufzutreiben, drehte er den Film kurzerhand mit MiniDV-Kameras. Damit konnte er die Kosten für den Filmdreh auf 20 Millionen Dollar begrenzen. Erst nach dem fertigen Filmschnitt übertrug Spike Lee ihn auf das 35mm-Kinoformat.

Fazit: Digitalisieren Sie Ihre Videokassetten ins 21. Jahrhundert

Videokassetten mit den schönsten Momenten und Erinnerungen sollten nicht im Regal oder auf dem Dachboden verstauben. Lassen Sie ihre analogen Kassetten im digitalen Zeitalter angekommen. Das Team von medienrettung digitalisiert so ziemlich jedes Videokassetten-Format.  Hier noch einmal alle Formate im Überblick:

  • Betacam SP
  • Betamax
  • CVC
  • D9/Digital S
  • DigiBeta
  • Digital8
  • DVCAM
  • DVCPRO
  • Hi8
  • MII
  • MiniDV
  • VHS
  • VHS(C)
  • SVHS
  • SVHS(C)
  • Umatic
  • Video2000
  • Video8
  • 1/2 Zoll
  • 1 Zoll
  • LaserDisc (PAL)

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen. medienrettung rettet Ihre Familienschätze und bewahrt die Erinnerungen an die besonderen Momente in Ihrem Leben.