Videokassetten selbst digitalisieren: 3 Gründe und 3 Wege

Die Welt dreht sich immer weiter. Besonders deutlich wird das im Technologiewandel. VHS-Videokassetten galten über viele Jahre als Standardmedium für Filmaufnahmen. Heute filmen die meisten digital mit Camcorder, Fotoapparat oder Smartphone.

Dennoch besitzen viele Menschen noch immer Videokassetten. Oftmals finden sich darauf Aufnahmen alter TV-Sendungen aber auch Erinnerungen an wichtige Familienereignisse. Egal was auf den Bändern ist, die filmischen Inhalte sind bedroht. Mit jedem Abspielen verliert die VHS-Kassette an Qualität.

3 gute Gründe fürs Digitalisieren von Videokassetten

1. Schonung der Originalbänder: Videokassetten sind einfach nicht für die Ewigkeit gemacht. Unsachgemäße Lagerung greift die Stabilität der Videobänder an. Rein altersbedingt kommt es häufig zu Veränderungen auf der Magnetschicht. Ein dritter Faktor sind verschmutzte Mechaniken in Abspielgeräten, die die Bänder beschädigen. Auch Reinigungskassetten helfen hier nur begrenzt.

2. Archivierung der Inhalte und Nutzung moderner Abspielgeräte: Meist gibt es im Haushalt keinen (funktionstüchtigen) Videorekorder mehr.  Oder der Umgang und das Abspielen von Dateien und DVDs über Computer oder DVD-Geräte ist bequemer für Sie. Die digitalen Filmkopien können Sie für sich und ihre Lieben archivieren.

3. Nachbearbeitung und Schnitt: Neben dem reinen Abspielen können Sie die digitalen Videodateien auch bearbeiten. … Vielleicht wollen Sie die Qualität verbessern, die Filme neu zusammenschneiden oder als Geburtstags- oder Hochzeitsgeschenk für jemanden zusammenstellen. Die Grenzen legen Sie fest.

Überzeugt? Oder sind Ihnen das zu wenig Argumente? Falls ja, haben Sie recht. Denn eigentlich gibt es 6 gute Gründe fürs Digitalisieren von VHS-Kassetten:

6 gute Gründe fürs Digitalisieren von Videokassetten

Die Digitalisierung kann von einem Dienstleister wie medienrettung vorgenommen werden oder Sie legen selbst Hand an und retten Ihre Inhalte.

Wissenswertes zur Digitalisierung

Das grundsätzliche Problem ist die unterschiedliche Technik. Ihr alter VHS-Videorekorder ist ein analoges Gerät und besitzt somit auch ein analoges Video-Signal. Sie können also Ihren Videorekorder nicht einfach per Kabel mit einem digitalen Gerät verbinden.

Stellen Sie sich das in etwa so vor: Wenn Menschen zwei unterschiedliche Sprachen sprechen, brauchen Sie einen Dolmetscher für eine gelingende Kommunikation.

So ähnlich verhält es sich auch hier. Nur braucht es keinen Dolmetscher sondern ein zusätzliches Gerät namens Analog-Digital-Umsetzer oder besser bekannt unter AD-Wandler. AD-Wandler arbeiten mit unterschiedlichen Wandlungsverfahren. Prinzipiell können Sie analoge Signale digital nachbilden. Das ist der entscheidende Punkt für ihren Einsatz.

Eins vorweg: Selbst wenn Sie die nötige technische Ausstattung besitzen, treten dennoch häufig verschiedene Probleme beim Digitalisieren auf.

2 gängige Probleme bei der Digitalisierung

Das Signal von Ihrem VHS-Videorekorder ist alles andere als perfekt und kann für digitale Geräte zu einem Problem werden. Werden die Daten nicht konstant übertragen, geraten Ihre Aufnahmesoftware und -Hardware ins Stocken oder stürzen ab.

Zwischen dem Video- und Audio-Datenstrom können Synchronisierungsprobleme entstehen. Der Ton passt dann beispielsweise nicht mehr zum Bildmaterial. Abhilfe schafft nur die Wiederholung des Vorgangs oder eine Nachsynchronisation des Videos mittels spezieller Software.

Lassen Sie sich nicht abschrecken. Wenn Sie sich dennoch selbst in das Abenteuer „VHS-Kassetten digitalisieren“ stürzen wollen, haben Sie genau 3 Möglichkeiten.

1. Möglichkeit: Digitalisierung über VHS-DVD-Kombigeräte

Es gibt spezielle VHS-DVD-Kombigeräte. Wie der Name schon sagt, erhalten Sie zwei Geräte in einem: ein VHS-Laufwerk und DVD-Brenner. Sie benötigen für die Digitalisierung Ihrer Videokassetten folglich keinen Computer.

Dies ist ohne Zweifel die komfortabelste Lösung, gerade auch für Technikmuffel. Sie müssen keine umständliche Verkabelung durchführen und können die Aufnahmen beliebig oft vervielfältigen.

Allerdings finden Sie VHS-DVD-Kombigeräte im stationären Handel eher selten. Je nach Preisklasse ist auch eine Festplatte mit eingebaut. Bei der Signalwandlung gehen die Geräte unterschiedlich vor und folglich ist auch die Digitalisierungsqualität unterschiedlich.

Tipp: Lesen Sie vor dem Kauf verschiedene Testberichte und setzen Sie sich mit Ihren eigenen Ansprüchen auseinander und zwar hinsichtlich Technik und Qualität. Überlegen Sie, ob Sie Normwandlungen benötigen oder welche Anschlussmöglichkeiten für Kamera oder TV-Gerät vorhanden sein müssen.

2. Möglichkeit: VHS-Kassetten auf einem Camcorder digitalisieren

Komponenteneingang
Beispiel für Komponenteneingang, Quelle: Wikimedia

Besitzen Sie einen digitalen Camcorder mit Komponenteneingang, können Sie diesen direkt an Ihren VHS-Videorekorder anschließen.

Zusätzlich benötigen Sie einen Scart-Adapter mit einem In-Out-Schalter. Bei der Digitalisierung Ihrer Videokassetten stellen Sie den Schalter für die Aufnahme auf „Out“. Ihr Rekorder speichert das VHS-Signal entweder auf einer Speicherkarte oder auf einer internen Festplatte.

Im Anschluss können Sie das Video problemlos auf Ihren Computer übertragen, weiterbearbeiten und auf DVD brennen.

So einfach wie es klingt, ist es in der Praxis selten: Kommen Synchronsignale z.B. aufgrund von Bandbeschädigungen nicht mehr richtig an, funktioniert auch die Digitalisierung mittels Camcorder nicht. Die Toleranzgrößen sind bei Camcordern niedriger als bei TV-Geräten. Ein TBC (TimeBaseCorrector) schafft hier Abhilfe.

3. Möglichkeit: VHS-Kassetten mittels Computer, AD-Wandler und Software digitalisieren

Diese Methode wird am häufigsten durchgeführt. Sie benötigen dafür einen Analog-Digital-Wandler, ein Scart-Adapter-Kabel und eine Video-Software. Den AD-Wandler verbinden Sie per USB mit Ihrem Computer und das andere Ende mit den 3 Video- und Audio-Anschusskabeln per Scart-Adapter mit Ihrem Videorekorder.

Wichtig ist hierbei, dass Ihr Computer über ausreichend Arbeitsspeicher sowie Festplattenspeicher verfügt. Die Dateien sind zunächst einige Gigabyte groß.

Sind Ihre Videos im Long-Play-Verfahren aufgenommen, rechnen Sie mit höheren Qualitätsverlusten beim DIY-Verfahren. Ein Fachmann kann das vermeiden.

Fazit: Es klingt einfacher als es ist

Egal welche der Methoden Ihnen am besten gefällt: In der Theorie klingt es so, als wäre die Digitalisierung mit der richtigen technischen Ausstattung ein Kinderspiel. Aber Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Der Zeitaufwand wird unterschätzt. Die Digitalisierung läuft immer in Echtzeit. Sie können das Verfahren nicht beschleunigen. Treten Fehler auf, beginnt der Spaß von vorn.

Surft man ein wenig im Internet zu dem Thema, stößt man auf unzählige Foreneinträge mit verzweifelten Fragen nach möglichen Fehlerquellen. Von den Anschlüssen wurde scheinbar alles richtig gemacht, aber:

  • der Film wird nur schwarz/weiß übertragen,
  • der Ton stimmt nicht oder
  • das Bild bricht nach ein paar Sekunden ab.

Selbst mit ausreichend Zeit, technischen Fachwissen und einer semiprofessionellen Digitalisierungsausrüstung ist die Qualität der Videos meist geringer als vom Fachmann.

Gerade wenn Sie auf Qualität Wert legen oder nur wenige Kassetten digitalisieren, schalten Sie einen professionellen Dienstleister wie uns fürs digitalisieren Ihrer VHS-Videokassetten ein.

Wir digitalisieren beispielsweise nicht direkt auf DVD. Stattdessen arbeitet medienrettung mit einer Zwischenspeicherung. Dadurch können wir die Videoqualität optimieren, Spurlagenfehler ausgleichen und TV-Sendungen rausschneiden. Unsere Mitarbeiter warten die Geräte regelmäßig, um Beschädigungen an Ihren Videobändern zu vermeiden.

Ach ja, im Blogartikel „Videokassetten von einem Profi digitalisieren lassen“ blicken wir hinter die Kulissen von medienrettung. Wir freuen uns auf Ihren Auftrag.